YIN UND YANG

Heute werden wir uns weiter in das Thema „Yin und Yang“ vertiefen, den beiden Prinzipien, nach denen alles im Universum funktioniert. Yin und Yang, die beiden Aspekte des Qi. Von ganz fein ungreifbar bis ganz groß, fest und greifbar. Dazwischen gibt es unendlich viele Kombinationen und Zwischenformen, wobei es sich nicht nur auf den Menschen bezieht, sondern auf das Qi insgesamt.
Yin und Yang, ein Tanz des Qi. 
Yin und Yang, was bedeutet, dass es zu jedem Prinzip oder Zustand auch das Gegenteil gibt. So wie es Sonne und Schatten gibt. Eins entsteht durch das andere und fließt dann wieder in das andere. Ein Zyklus wie Tag und Nacht. Nicht immer findet diese Umwandlung auf der selben und/oder einer sichtbaren Ebene statt, es bezieht sich auf das „Gesamte“.
So gibt es nicht nur eine einzige Form von Yin oder Yang in etwas, es ist immer eine Mischung aus unterschiedlichsten Attributen. Etwas ist nicht nur „groß“, „schnell“, „laut“ oder „in Bewegung“ sondern immer eine Mischung aus solchen unterschiedlichen Aspekten von Yin uns Yang. Daher, wenn etwas vom Yin ins Yang fließt, müssen sich auch nicht direkt alle Attribute verändern, sondern es verändern sich vielleicht nur ein Teil der Attribute.

Denn, Obacht: Yin und Yang sollte man sich nicht als Pole vorstellen, nicht als „schwarz“ und „weiß“, nicht auf „Mann“ und „Frau“ runter brechen, nicht als „stark“ und „schwach“ und schon garnicht in „gut“ oder „schlecht“ einteilen.
Wer wirklich verstehen möchte, wie das Universum funktioniert und wie dessen unendlicher Fluss fließt, dem kann nur geraten werden, diese Vorstellung der Gegenteiligkeit und Bewertung abzulegen, indem man sie sich immer wieder bewusst macht.
Zumindest im Westen, haben wir von Yin und Yang meistens dieses falsche Bild der Pole. Auch unabhängig von der Bezeichnung „Yin“ und „Yang“, hat die Gesellschaft oftmals ein starkes „schwarz-weiß-Denken“. Und, ja klar, es gibt zu dem einen immer das andere:  

klein – groß
innen – außen
kurz – lang
kalt – warm
langsam – schnell
dunkel – hell
passiv – aktiv
eng – weit
unsichtbar – sichtbar
rechts – links
hinten – vorne
weich – hart 
zusammen – alleine
unten – oben
Yin – Yang

Der Clou dabei ist, dass es nichts in Reinform oder „insgesamt“ so gibt. Nein, rein gar nichts. Alles, alles im Universum ist immer eine Mischform aus diesen beiden Polen. Das werden wir hier ein wenig gebetsmühlenartig wiederholen, da es für alles im Leben entscheidend ist. So lässt sich auch nichts in Yin und Yang einteilen, sondern nur in Verhältnissen verstehen. 

Im Verhältnis zu ihrem Kind ist die Mutter alt, doch im Verhältnis zu ihrer eigenen Mutter ist sie jung. 

Im Verhältnis zu einem Mann mag die Frau körperlich schwach sein, doch im Verhältnis zu einem trainierten Sportler ist ein Mann körperlich schwach.


Im Verhältnis zu unserer Idealvorstellung mag es uns schlecht gehen, doch im Verhältnis zu Menschen in der dritten Welt geht es uns, materiell betrachtet, gut. Und paradoxer Weise geht es diesen „armen“ Menschen manchmal mental im Verhältnis besser als uns. Dies ist ein Thema für sich, doch es zeigt, dass man selbst in den Verhältnissen die man zieht, immer auch unendlich viele weiter ziehen kann. Mal ist es Yin, mal Yang.


So weit so gut zu Verhältnissen, mindestens genauso wichtig oder sogar grundlegend dafür ist es zu verstehen, dass nichts in „gut“ und „schlecht“ unterteilt werden kann. Wirklich nichts. Wie für alles gilt es auch hier immer nur das Verhältnis zu sehen. Was uns im Kleinen manchmal schlecht vorkommen, ist für das Große oftmals gut. Oder was einem in einem Moment schlecht vorkommt, mag für den nächsten Moment sogar gut sein. Alles hat seinen Sinn, den man nicht in einen Moment legen kann. Beide Seiten braucht es, um zu verstehen. Denn „gut“ und „schlecht“ gibt es ohnehin nur aus unserer Empfindung heraus. Eigentlich „ist“ es einfach.
Schmerz zum Beispiel, der von uns oft negativ wahrgenommen wird, ist uns ein wichtiger Hinweis, dass etwas im Körper nicht frei fließt. Schmerz ist also nicht schlecht, er ist sogar wichtig und schützt uns. 

Li sagt, „schlimm“ ist nur, wenn man seine Energie und seinen Geist verliert. Alles andere, was dazwischen passiert, ist okay.

Es gibt dazu ein wunderbares Bild, was man sich innerlich dazuhaben kann. Es erklärt Yin und Yang im Wandel und Laufe unseres Lebens. Und zwar ist dies ein geknüpfter Teppich. 
Während des Knüpfens ergibt das Muster manchmal gar keinen Sinn. Erst wenn der „Lebensteppich“ sozusagen fertig ist, erkennen wir das gesamte Muster.

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