Formen erlernen um sie loszulassen

Anders als andere Schulen, verfolgt die Dean Lebenskunst (*) in ihrer Ausführung keine bestimmte Form und lässt so eine freie, eigene Verbindung zu. Formenbezogene Methoden haben jeweils ihren Sinn, in der Lebenskunst wird es jedoch frei gehandhabt. Beziehungsweise, man startet mit einer Form, folgt dann aber dem individuellen Fluss der Energie. Dabei können natürlich auch Bewegungen entstehen, die man so oder so vielleicht schon einmal in einer bestimmten Form gesehen hat. Der Unterschied ist jedoch, dass sie von innen heraus, aus dem Gefühl in diesem Moment, kommen und nicht von außen aufgesetzt sind. Man macht also keine Bewegung, man folgt der Bewegung. Nur dann hat es eine Bedeutung und Kraft, da es vom Qi selbst, aus unserer Wurzel, kommt.
Dies ist ein wichtiger Grundsatz:

Das Qi und das Dao in Form von Naturgesetzen sind so stark, sie setzen sich letztendlich immer durch. Bewegen wir uns mit ihnen bzw. aus ihnen heraus, sind wir genauso stark. 

Um sich diesem starken, freien Fluss hingeben zu können, ist es zu Beginn sehr wichtig, die Übungen so auszuüben, wie sie vorgegeben sind. Denn sie verfolgen in ihrer Ursprungsform alle einen Sinn.
Ein tolles Beispiel zur Veranschaulichung des Prinzips ist das Spiel. Im Spiel hat man alle Möglichkeiten, frei zu agieren, solange man die Regeln kennt und sich daran hält. Nur dadurch lässt sich überhaupt auch die Spielfreude entwickeln. Und nur so wird das jeweilige Ziel erreicht.
So heißt es auch, dass man sein Handwerk oder seine Kunst erst dann wahrhaftig ausüben kann, wenn man jeden Schritt davon über viele Jahre lernt und einstudiert, um es dann wieder loszulassen und mit verinnerlichtem Wissen ganz der Intuition folgen kann. Sie wird sich innerhalb des Gelernten ausdrücken und befinden, jedoch aus dem Moment und nicht aus der Logik heraus entstehen. Dies ist die Meisterschaft von etwas. 

Genau so verhält es sich mit den 66 Übungen von DEAN OF LIFE, welche alle in einem meditativen Zustand ausgeübt werden.
Im ersten Schritt gilt es zu verstehen, was genau mit einer bestimmten Übung erreicht werden soll, was ihre Richtung und „Laufbahn“ ist. So können wir mit der Bedeutung und dem Sinn in Kontakt kommen und die Energie entsprechend „bewegen“. Denn, so wie jede Form hat auch jede Bewegung eine Bedeutung. Ob nun erst einmal gelernt oder dann später von innen heraus.
Die locker nach oben geöffneten Hände in der ersten Grundübung beispielsweise sind dem Universum und somit der Kraft des Ursprungs geöffnet. So hat jede Übung von DEAN OF LIFE eine bestimmte Bedeutung, die mit unserem Sein zu tun hat. Unser Sein zwischen „Himmel und Erde“.


Ziel aller Übungen ist es, die eigene Energie in einen freien, harmonischen Fluss zu bringen, sodass Körper, Geist und Seele gemeinsam in Harmonie sind. Je nachdem, wo eine Blockade vorherrscht, gibt es hierfür eine bestimmte Übung.

Denn, hier schließt sich der Kreis wieder, das Prinzip dahinter ist das des Qi. Und das besagt, dass das Qi im tiefsten Inneren so intelligent ist, dass es weiß, was für uns für den Moment passend ist. Wir selbst sind Teil des Qi. Entsprechend ist dessen Flow für uns gut, solange wir in Kontakt damit bleiben. Das bedeutet für die Umsetzung im Sinne von DEAN OF LIFE, man regt mit einer bestimmten Übung eine konkrete Richtung, ein Ziel, an, doch dann kann man die Form des Ausführung mit der Zeit immer freier lassen und das Qi selbst „machen“ lassen. Dazu ist es wie gesagt wichtig, auch die Grundbedeutung und das Ziel der einzelnen Übungen verinnerlicht zu haben, sodass man sich auch in der freien Bewegung mit dem entsprechend dafür vorgesehenen Qi auch vom Intellekt und eigenen Gefühl verbinden kann.

* Anmerkung: In tradierter Form, so auch in der Grundausbildung des Dean Institut, wird der Begriff „Dean Methode“ verwendet, DEAN OF LIFE sagt „Lebenskunst“. Bei beidem geht es um das selbe: Die Lehre von Master Li.

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