Vorstellung frei!

An Tag drei ging es um Absichtslosigkeit, heute wird die „Vorstellung“ von etwas vertieft, welche eng mit der Absichtslosigkeit verbunden ist und diese bedingt. Darüber kommen wir dann auf die Pole Yin und Yang. 

Eingangsfrage: Wie kann man absichtslos leben, wenn die eigene Vorstellung einen im Leben ständig begleitet? Klar, es fällt jetzt einfach zu sagen, dass man diese mal eben schnell loslassen soll. Genauso wie die Absicht losgelassen werden soll. Doch das tatsächlich umzusetzen, ist eine Lebensaufgabe. Für ein besseres Verständnis lohnt es sich dennoch, diese so leicht gesprochene Theorie einmal genauer zu betrachten, sodass man sie Stück für Stück für sich verinnerlichen und umsetzen kann.

Ein guter Gradmesser dafür, zu erkennen, wo unsere Vorstellungen überall sitzen, ist der Moment, wenn diese nicht erfüllt werden. Erst dann werden wir ihnen manchmal in aller Deutlichkeit bewusst. Wenn man an dieser Stelle innehält, wird man für sich schnell spüren, dass dies öfter vorkommt, als man es sich wünscht. Und wenn man sich dann noch den Raum dafür nehmen würde, einmal zu reflektieren, wie denn insgesamt die generelle Gefühlslage bei einem aussieht, wird es einige geben, die insgesamt zufrieden sind, es wird aber auch sehr viele geben, die sich eingestehen müssen, selten eine Zufriedenheit in sich zu tragen. Der Unterschied in der Wahrnehmung liegt an den unterschiedlichen Vorstellungen, die wir in uns tragen. Die Kunst ist es entsprechend, zu erfühlen, welche Vorstellungen wir denn in uns tragen. Oftmals sitzen diese sehr tief und laufen einfach so mit.  

An dieser Stelle kommt folgende These der Lebenskunst (*) : Oftmals tragen wir Vorstellungen in uns, die garnicht zu uns passen. 

Was ist damit gemeint? Wie oft sagen wir: „Wenn das und jenes eintrifft, dann fühle ich mich wohl.“ Und dann haben wir es erreicht und es passt doch nicht. Oder es gibt etwas neues, was wiederum nicht passt. Dies ist doch ein deutlicher Beweis, dass das, was man in der Vorstellung hat und somit für sich als gut empfindet, vielleicht doch nicht so passend ist. Wenn wir also in jeder erreichten oder neu geschaffenen Situation nicht die gewünschte Zufriedenheit erlangen, bedeutet dies, dass etwas „in“ uns selbst, in der inneren Wahrnehmung und Empfindung, nicht konform mit der äußeren Wahrnehmung ist. Es passt nicht zusammen, bildet keine Harmonie. Im Außen, also im tatsächlichen Leben, passt es und müsste wich gut anfühlen, doch unser Gefühl findet es nicht passend. Hier gilt es ausfindig zu machen, was nicht zusammen passt und dies für sich abzugleichen. 

An dieser Stelle darf man nicht vergessen, woher die inneren Vorstellungen kommen: Sie entstehen durch gewisse Prägungen oder aus einem Mangel heraus. Wir wollen das, was uns vermeintlich fehlt. Somit stehen sie nicht unbedingt für das, was uns wirklich entspricht und ausgleicht, sondern sie versuchen erst einmal das Ungleichgewicht in uns auszubalancieren. 

Wie eine Teilnehmerin es so schön ausdrückte: Eine Vorstellung ist das, was wir vor das Leben stellen. Genau. Zumindest in dem Sinne, wie wir Vorstellung auffassen. Denn es gilt zu unterscheiden zwischen Vorstellung aus dem Flow heraus und „Ego-Vorstellung“. Die sogenannte Ego-Vorstellung ist jene, die unser inneres Ungleichgewicht versucht auszugleichen, aber im Zweifel auch nicht glücklich macht.

Vielleicht wurde es ja schon einmal erlebt, dass man bei etwas, was man für sich selbst so nie gewählt hätte, total aufgeht und Zufriedenheit empfindet? Dies ist dann etwas, was wirklich zu einem passt und aus dem Qi kommt.

Wenn man lernt, diese beiden Formen der Vorstellung zu unterscheiden und die Ego-Vorstellung loszulassen um einfach mal offen zu bleiben, ob die Situation nicht doch passend ist, löst sich der aufgekommene Stau wieder auf. Der Stau, den wir bei der Nichterfüllung der inneren Zufriedenheit empfinden. Das wäre die Ideallösung.
Die alltägliche „Lösung“ ist meist so, dass wir mir unserem ganzen „Theater“ reagieren.
Die nächsten 3 Jahre arbeiten wir  in der Grundausbildung daran, uns der Ideallösung zu nähern.

* Anmerkung: In tradierter Form, so auch in der Grundausbildung des Dean Institut, wird der Begriff „Dean Methode“ verwendet, DEAN OF LIFE sagt „Lebenskunst“. Bei beidem geht es um das selbe: Die Lehre von Master Li.

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