Formen erlernen um sie loszulassen

Den inneren Kompass stärken

Nachdem in Stille angekommen und kurz in sich gegangen wurde, wird künftig jeder Seminartag mit der Übung „Himmelsrichtungen“ weitergeführt. Sie eignet sich insgesamt gut, um in den Tag zu starten oder ihn ausklingen zu lassen. Denn sie gibt Orientierung und bringt einen in seine innere Mitte, stärkt einen selbst und, nach ursprünglicher chinesischer Medizin, auch den Kreislauf der Organe sowie den natürlichen Zyklus, der unser Leben bestimmt.

Bei dieser Übung wendet man sich einmal jeder Himmelsrichtung zu, um sich dann in der Mitte zu zentrieren. Ganz einfach. Man stellt sozusagen seinen inneren Kompass ein.
Dazu wendet man sich zum Beginnen einer Himmelsrichtung zu – jener, die sich für den Moment passend anfühlt. Dort stellt man sich in der Grundhaltung locker hin, schließt die Augen und legt die Zungenspitze leicht an den Gaumen. In dieser Position atmet man 9 Mal ruhig ein und aus. Danach wendet man sich im Uhrzeigersinn den 3 weiteren Himmelsrichtungen zu, wo wieder jeweils 9 Mal ein und ausgeatmet wird. Spürt man den Impuls, sich zu bewegen, geht man ihm einfach nach und beginnt in der neuen Himmelsrichtung wieder in neutraler Position. Zur finalen Position, welche die „Himmelsrichtung Mitte“ symbolisiert, gibt es je nach Raum unterschiedliche Möglichkeiten. Hier kann man ganz seinem Gefühl folgen und sich einen Platz im Raum suchen, bei dem man sich sicher, angekommen und geerdet fühlt. Dabei kann man sich setzen oder stehen bleiben, das spielt keine Rolle. 


Durch diese Übung kommt man in Kontakt mit allen Himmelsrichtungen und der Mitte, den 5 Elementen, dem eigenen Geist, dem Raum in dem man sich befinden, der Situation in der man gerade ist, dem Himmel und, im Falle des Seminars, auch der Gruppe vor Ort. Mit der Zeit wird man die unterschiedlichen Qualitäten der jeweiligen Richtung spüren lernen. 

Weiter geht es mit einem kleinen Rückblick zum Qi. Noch mag „Qi“ sehr abstrakt wirken, doch je mehr man sich damit verbindet, desto mehr spürt man es. Je mehr Erfahrung man damit macht, desto besser versteht man es. Erst, wenn man es über den Intellekt hinaus im Herzen spürt, weiß man, was gemeint ist. So ist es insbesondere, wenn wir Ideen, Konzepte, Gesetzmäßigkeiten oder Ähnliches verstehen wollen, was mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ist. Auch das Qi ist zum Großteil nicht sichtbar für uns. Es ist immer da, es formt das Universum, doch wir müssen lernen, einen Zugang dazu zu finden. Uns mit dessen Qualität und Information zu verbinden. Und dies geht paradoxerweise nur, ohne darüber nachzudenken, ohne Eigensinn. „Wollen“ wir Qi verstehen, haben die Absicht dazu und eine Vorstellung davon, stört bzw. löst es die Verbindung dazu bereits auf. 

>> weiter zu Seite 2 (von 3)